19.10.2004
Chöre schöpften so richtig aus dem Vollen
Ein abwechslungsreiches Konzert wurde in Oelsberg geboten - Die Besucher waren begeistert
OELSBERG. Im Chor singen macht Spaß - das Zuhören aber auch. Das jedenfalls hatten sich Freunde der Chormusik gedacht und waren zahlreich ins Dorfgemeinschaftshaus in Oelsberg gekommen.
Dort warteten mehrere Chöre mit einem sehr abwechslungsreichen Programm auf sie. Zunächst waren da der gemischte Chor und der Männerchor aus Oelsberg (beide unter der Leitung von Edgar Vogt), dann der Chor des MandolinenClubs Oelsberg (Leitung Karl Schaub) und der A A-capella-Chor "Ohrenschmaus" aus Frickhofen (Leitung Ulrich Weier). Als Solist trat Kammersänger Richard Medenbach auf, der von Elisabeth Derer am Klavier begleitet wurde. Durch das Programm führte kenntnisreich Julia Dillenberger-Ochs.
Aus dem Repertoire des Männerchores soll "Wandrers Nachtlied" herausgegriffen werden, das Carl Amand Mangold auf einen Text Goethes komponiert hat. Das - und andere Chorsätze auf Kompositionen des 19. Jahrhunderts gefiel dem Publikum, und es bedachte den Chor mit herzlichem Beifall. Beim gemischten Chor fiel "Jerusalem" für Chor, BaritonSolo und Klavier auf. Mit der vollen Kraft seiner Stimme und seines Baritons in Gestalt Richard Medenbachs begann der Chor dieses Werk über die "heilige Stadt" und die Utopie von Frieden, Gleichheit und Ländern ohne Grenzen. Machtvoll war auch der Ausklang. Das Publikum beklatschte diesen Beitrag laut.
Der Bariton Richard Medenbach hatte vieles zu bieten. Er sang "O holde Kunst" von Franz Schubert, war aber auch mit "Ol man river" und "Anatevka" im Musical zu Hause und begeistert die Zuhörer mit Arien aus der Oper "Zar und Zimmermann" von Albert Lortzing und aus der Operette "Der Zigeunerbaron" von Johann Strauss. Das war klasse, Herr Kammersänger. Sehr zu loben ist aber auch Elisabeth Derers Klavierbegleitung. Egal, ob sie zu Kunst oder Volkslied oder zu Arien aus Oper, Operette oder Musical begleitet, wer sich als Sänger Elisabeth Derer anvertraut, ist musikalisch in guten Händen. Das wissen nicht nur die Oelsberger, sondern auch die vielen Musikfreunde im "Blauen Ländchen", die sie schon lange kennen.
Gern gehört und laut beklatscht wurden auch die Beiträge des Mandolinen-Clubs Oelsberg 1924. Seine Instrumentalisten gaben Potpourris aus der Operette "Der Vogelhändler" und "Die Csardasfürstin" zum Besten, aber auch Melodien aus Italien. Da summten nicht wenige der Zuhörer zum Klang der Saiteninstrumente leise mit. Der "Hit" war aber der gemeinsame Auftritt des Mandolinenchores und des gemischten Chores, als es mit Johann Strauss musikalisch an die schöne blaue Donau ging.
Zum Schluss ein weiterer Ohrenschmaus mit dem "Ohrenschmaus". Der Chor gab zehn Titel einschließlich Zugaben zum Besten: Lieder von Schubert und Silcher, Filmmusik, Lieder der Comedian Harmonists und neuere Kompositionen waren zu hören.
Das Silcher-Lied "Hab oft im Kreise der Lieben" wurde, entrümpelt von allem Pathos und falschem Gefühl, frisch und lebendig dargeboten und auch die übrigen Beiträge bereiteten den Zuhörern sehr viel Spaß. Sie belohnten diese Darbietungen mit lautem Beifall und Bravorufen. Auch Raimund Kohl vom Sängerkreis Rhein-Lahn war davon angetan. "Sie haben aus Altem etwas Neues gemacht", kommentierte er deren Gesangsweise beim Vortrag des Silcher-Liedes, "das kann beispielgebend sein und den Chören im Land Anregungen geben".
Am begeisterten Schlussbeifall der Zuhörer konnte man ermessen, wie gut den Besuchern das Konzert insgesamt gefallen hat und wie viel Sympathie die Oelsberger Chöre im Dorf und in der Umgebung genießen.
(Artikel von Karl-Heinz Wolter aus der Rhein-Lahn-Zeitung vom 19.10.2004)